
Geschichte des Vereins
Unser Verein kann auf eine inzwischen über 100-jährige Geschichte zurückblicken. Gegründet wurde er im Rahmen einer Versammlung im Landesgewerbemuseum in Stuttgart am 24. September 1920. Der „Württembergische Verein der Freunde des Humanistischen Gymnasiums“, wie er damals noch hieß, hatte gleich stattliche 168 Mitglieder. Es handelte sich um eine Reaktion auf die Abwendung vom humanistischen Bildungsideal und damit einhergehend die sinkende Bedeutung des Humanistischen Gymnasiums.
Diese Bildungsstätte sei, so hieß es u.a., elitär und unzeitgemäß, sie passe nicht in eine von Technik und Industrie geprägte Gesellschaft.
Der Verein und seine Mitglieder verstehen ihr
Es war kein Zufall, dass der Verein gerade zu dieser Zeit ins Leben gerufen wurde. Damals, kurz nach dem Ersten Weltkrieg, in der Anfangsphase der Weimarer Republik, hatte das Humanistische Gymnasium einen schweren Stand und war zunehmend ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Diese Bildungsstätte sei, so hieß es, elitär und unzeitgemäß, sie passe nicht in eine von Technik und Industrie geprägte Gesellschaft. Hinzu kam eine "nationale" Komponente: Humanistische Bildung, sagten die Gegner, vernachlässige die „deutsche“ Kultur. In der Rückschau können wir dagegen sagen, dass gerade die Beschäftigung mit dem Altertum und die Förderung der humanistischen Studien durch eine multikulturelle Perspektive zu einer offeneren und reflektierteren Sichtweise auf die global vernetzte Welt führen können.
In seiner Angangszeit hatte der Verein regen Zulauf: 1925 konnte er sich über bereits 635 Mitglieder freuen. Diesen sowie der interessierten Öffentlichkeit bot man Vorträge (von prominenten Althistorikern oder Altphilologen) oder auch Aufführungen antiker Dramen an.
Trotz einer vielfach instrumentalisierten Bewertung der Antike durch die nationalsizialistische Ideologie sank in den 30ern und 40ern das Interesse an unserem Verein rapide. Die Zahl der Mitglieder des Vereins ging bis Ende 1933 auf 218 zurück, bis 1936 sogar auf 170. Sporadisch gab es im Zweiten Weltkrieg noch Vortragsveranstaltungen, 1945 aber mussten sämtliche Aktivitäten eingestellt werden.
Doch schon bald nach dem Krieg ging es weiter. Im August 1946 wurde bei der amerikanischen Militärregierung die Wiederzulassung des Vereins beantragt. Im Februar 1947 fand die erste Mitgliederversammlung nach dem Krieg statt, bei der 128 Personen anwesend waren. Danach konnte der Verein sich rasch erholen: 1949 hatte er schon wieder 512 Mitglieder. In den 50er und 60er Jahren erlebte der Verein einen wahren Höhenflug: 1967 waren es 795 Mitglieder. Hinzu kam die Einrichtung von Außenstellen in Aalen, Heilbronn, Ludwigsburg und Schwäbisch Hall. Bisher hatte der Verein vor allem in Stuttgart agiert.
In den 70er Jahren geriet die Humanistische Bildung wieder in die Defensive. Griechisch und Latein standen, wie die antike Kultur überhaupt, nicht mehr so hoch im Kurs. Dennoch hat sich der Verein bis heute intensiv für die Humanistische Sache eingesetzt – im Bewusstsein seiner Tradition und unter Annahme der Herausforderungen der Zeit. Gegenwärtig ist das Interesse an der Antike wieder hoch. Vor dem Hintergrund dieser erfreulichen Entwicklung engagiert sich unser Verein mit neuem Optimismus für die Verwirklichung seiner Ziele, und er lädt alle an der Antike Interessierten ein (sei es als aktive Mitglieder, sei es als Förderer und Besucher unserer Veranstaltungen), daran mitzuwirken. > Corona!



